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Artikel: Orange Wine: Was ist das und wie schmeckt er?

Orange Wine: Was ist das und wie schmeckt er?
Low Intervention

Orange Wine: Was ist das und wie schmeckt er?


Weinwissen · Orange Wine · Maischegärung

Orange Wine ist einer der spannendsten Weinstile der letzten Jahre – und gleichzeitig einer der ältesten. Mit Orangen hat er nichts zu tun: Gemeint ist Weißwein, der wie ein Rotwein auf den Schalen vergoren wird. Hier erfährst du, was Orange Wine ausmacht, wie er schmeckt, wozu er passt und welche Flaschen sich zum Einstieg lohnen.


Was ist Orange Wine?

Bei normalem Weißwein werden die Trauben direkt nach der Lese gepresst, vergoren wird nur der Saft. Beim Orange Wine bleiben die weißen Trauben dagegen mit ihren Schalen zusammen – über Tage, Wochen oder sogar Monate. Diese Maischegärung kennt man sonst vom Rotwein.

Aus den Schalen lösen sich Farbstoffe, Aromen und Gerbstoffe. Daher kommt die Farbe zwischen Goldgelb, Bernstein und kräftigem Orange – und daher kommt der feine Grip am Gaumen. Andere Namen für denselben Stil sind maischevergorener Weißwein, Amber Wine oder Skin Contact.

Woher kommt Orange Wine?

Die Wurzeln liegen in Georgien. Dort wird Wein seit Jahrtausenden in Qvevri gemacht – großen Tonamphoren, die in der Erde vergraben werden und in denen Saft, Schalen und manchmal Stiele gemeinsam gären. Die Qvevri-Methode zählt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Ende der 1990er-Jahre haben Winzer im italienischen Friaul und im slowenischen Grenzgebiet diese Tradition wiederentdeckt. Den Begriff „Orange Wine“ prägte 2004 der britische Weinimporteur David Harvey. Heute entstehen Orange Wines überall auf der Welt – auch in Deutschland, wo vor allem Riesling, Silvaner und Grauburgunder auf der Maische spannende Ergebnisse bringen.

Wie wird Orange Wine hergestellt?

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung anspruchsvoll:

Lese: Die Trauben müssen gesund und reif sein, denn alles, was in der Schale steckt, landet später im Wein.
Maischestandzeit: Die angequetschten Trauben gären mit den Schalen. Ein paar Stunden bis Tage ergeben einen feinen Hauch Struktur, mehrere Wochen bis Monate einen echten Orange Wine mit kräftiger Farbe und Gerbstoff.
Pressen und Reife: Danach wird gepresst, und der Wein reift weiter – oft im Holzfass oder in der Amphore, häufig lange auf der Hefe.

Viele Orange Wines werden spontan vergoren, unfiltriert und mit wenig oder ohne zugesetzten Schwefel abgefüllt. Das ist aber kein Muss: Orange Wine beschreibt die Machart, nicht automatisch einen Naturwein.

Wie schmeckt Orange Wine?

Orange Wine schmeckt anders als Weißwein – und auch anders als Rotwein. Typisch sind Aromen von Orangenschale, getrockneter Aprikose, Schwarztee, Nüssen und Gewürzen wie Nelke. Die Frucht tritt etwas zurück, Würze und Textur stehen im Vordergrund.

Am Gaumen ist Orange Wine fast immer trocken. Der Gerbstoff gibt ihm Halt und macht ihn zu einem echten Speisenbegleiter. Wer ihn zum ersten Mal trinkt, ist oft überrascht – beim zweiten Glas hat man sich meist schon verliebt.

Orange Wine servieren: Temperatur und Speisen

Temperatur: Nicht zu kalt – rund 12 bis 14 °C sind ideal. Zu kalt wirkt der Gerbstoff hart und die Aromen bleiben verschlossen.
Glas: Ein großes Weißwein- oder Burgunderglas. Kräftige Orange Wines danken es, wenn sie vorher etwas Luft bekommen.
Essen: Gegrilltes, Schmorgerichte, Pilze, kräftiger Käse, würzige orientalische oder indische Küche – überall dort, wo Weißwein zu leicht und Rotwein zu schwer ist.


Orange Wine kaufen: unsere Empfehlungen

Wohlfahrt-Franke – Riesling „Orange Utan“ 2023 · 29,90 €
Maischevergorener Riesling aus dem Winkeler Hasensprung, 30 Monate im Barrique, unfiltriert und ohne Schwefelzugabe. Orangenzeste, Nelke, Walnuss – bekannt aus dem hr-fernsehen. Mehr über die beiden Winzer bei Weingut Wohlfahrt-Franke.

Steitz – Silvaner „Sandschiefer“ 2023 · 16,50 €
Kein echter Orange Wine: Nur ein Teil des Silvaners vergärt auf der Maische in der Amphore – für mehr Struktur und feinen Gerbstoff. Der Rest reift im Tonneau auf der Vollhefe. Mirabelle, gelber Apfel, salziger Zug.

Weitere Weine mit Maischegärung, PetNats und Naturweine findest du unter Low Intervention.


Häufige Fragen zu Orange Wine

Ist Orange Wine aus Orangen gemacht?
Nein. Orange Wine wird aus weißen Trauben gemacht. Der Name beschreibt nur die Farbe, die durch den Kontakt mit den Traubenschalen entsteht.

Was ist der Unterschied zwischen Orange Wine und Rosé?
Rosé entsteht aus roten Trauben mit kurzer Schalenkontaktzeit. Orange Wine entsteht aus weißen Trauben, die meist deutlich länger auf den Schalen bleiben.

Ist Orange Wine süß?
In aller Regel nicht. Die allermeisten Orange Wines sind trocken – die Würze und der Gerbstoff können aber eine gewisse Fülle vermitteln.

Ist Orange Wine immer Naturwein?
Nein. Viele Orange Wines werden naturnah erzeugt, aber die Maischegärung allein macht einen Wein noch nicht zum Naturwein.


Max, Gründer von Ursprung Wein
„Orange Wine ist für mich der perfekte Wein für alle, die beim Essen mehr wollen als nur Frische. Probiert den Orange Utan mal zu einem kräftigen Käse – da versteht man sofort, was Schalenkontakt kann.“Max, Gründer Ursprung Wein

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